© Andrea Ferrero, All the King’s Horses (Detail), 2024. Mit freundlicher Genehmigung des Museo Tamayo. Foto: Ruben Garay

Eröffnung: Di, 02.06.2026, 19 Uhr 

Laufzeit: Mi, 03.06. – Sa, 25.07.2026

Künstler*innen: Alice Bucknell, Chun, Zuzanna Czebatul, Andrea Ferrero, Kiki Furlan, Ndayé Kouagou, Toxic Thekla

Kuratorinnen: Frederike Sperling & Pia Wamsler

 

Algorithmen haben zur Wahrheit bekanntlich ein flexibles Verhältnis. Ob eine Aussage wahr oder unwahr ist, spielt für sie keine Rolle. Entscheidend ist, was die Aufmerksamkeit der User*innen fesselt. Nicht ohne Grund ist der Populismus digital so erfolgreich. Algorithmisch belohnt werden Inhalte, die polarisieren, Ängste triggern, Fakten in Frage stellen oder gezielt eigene „alternative Fakten“ schaffen – von Fake News über Migration bis zur Leugnung der Klimakrise. Was zählt, ist der Effekt. Und der muss vor allem eines sein: engaging.

Um diese Verwandlung von Kommunikation in Spektakel besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Welt des Wrestlings. In ihrem Buch Ringmaster (2023) über den US-Wrestling-Tycoon Vince McMahon beschreibt die Publizistin Abraham Josephine Riesman den Showkampfsport als gewaltige Irrealisierungsmaschine. Im Wrestling, so Riesman, werden die Grenzen zwischen Realität und Fiktion systematisch verwischt. Die Folge: Die Zuschauer*innen lernen, ihr Bewusstsein flexibel den Wendungen des Spektakels anzupassen, mal dieses und mal jenes als Wirklichkeit zu akzeptieren, ungeachtet von Logik oder Sinn. Realität als Mindset-Frage – diesem Kalkül folgen auch die digitalen Wirklichkeitsangebote, die täglich unsere Newsfeeds fluten. Hier wie im Wrestling gilt: Wahr ist, was gefällt. Attitude ist alles. 

Politik und Showkampf, Fakt und Fake, Manipulation und Dissoziation – zwischen diesen Koordinaten bewegt sich die von Frederike Sperling und Pia Wamsler ko-kuratierte Gruppenausstellung Attitude Era. Sieben künstlerische Positionen beleuchten darin das Verhältnis von Realität und Fiktion in Zeiten von Slopaganda, Deepfakes und Trumpismus. 

 

Pia Wamsler ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und Kulturarbeiterin mit Fokus auf Sound-, Performance- und Videokunst. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte in Regensburg arbeitete sie u. a. an der Kunsthalle Wien, mit Johanna Bruckner sowie an diversen Ausstellungsprojekten. Seit 2020 ist sie Teil von DAS WEISSE HAUS, dort als Kuratorin und Ausstellungsmanagerin tätig; bis 2025 arbeitete sie als Kuratorin und Projektkoordinatorin für die internationale Plattform Videocity. Seit 2024 ist sie Vorstandsmitglied von SALOON Wien und dem SALOON Network.

 

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