Performance-Forschung

 

Kann Performancekunst archiviert werden?

Ein Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Kunstraum Niederoesterreich, durchgeführt von Marlies Surtmann

Kooperationspartner_innen: Kunstraum Niederoesterreich, Landessammlungen Niederösterreich

Unterstützer_innen: Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften (Donau-Universität Krems), Niederösterreichische Forschungs- und Bildungsges.m.b.H. (NFB), Univ.-Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow

Was ist ein Archiv? Eine Sammlung historischer Dokumente, ein Ort, eine Form der Begegnung, ein Beschleuniger von Teilchen aus der Vergangenheit, ein Geschichtenerzähler?
Eleonora Fabião, „Feministische Archive als Performance“, in „re.act feminism #2“, 2014, Nürnberg/London

Performancekunst ist eine vergleichsweise junge Kunstform, sie steht in einem speziellen (Wechsel)Verhältnis zu ihrer Materialisierung und damit zu ihrer Überlieferung wie auch ihrer Archivierung. Im vorherrschenden Wissenssystem und der Logik des Archivs braucht diese Kunstform durch ihre Flüchtigkeit und Immaterialität eine Übertragung in eine materielle Spur, ein Medium, ein Dokument, um tradiert zu werden. Doch kann man Archive neben ihrer Bedeutung als text- und bildbasierte Wissenssammlung nicht auch anders denken? Als eine „Form der Begegnung“, als Quelle von Erzählungen, als Ort, nicht nur für das Wissen selbst, sondern für das Weitergeben und den Austausch des Wissens?

In ihrem Dissertationsprojekt „Archiv für Performancekunst? Über die Archivierung, Tradierung und Vermittlung einer Kunstform in Bewegung“ geht Marlies Surtmann der Frage nach, ob die Archivierung und Weiterschreibung von Performancekunst durch Schrift, Bild und Objekt möglich und ausreichend ist, oder ob eine Kunstform, die mit der Präsenz der Körper arbeitet, nicht auch performative und künstlerische Methoden braucht, um überliefert zu werden. Aufbauend auf Forschungsergebnissen aus Performance Studies, Medientheorie und Archivwissenschaften soll die Tradierung performativer künstlerischer Praktiken in diesem Dissertationsprojekt im Zentrum der Untersuchungen stehen. Ziel ist es, ein Konzept für ein Performancearchiv zu erstellen und die Dokumentationsbestände des Kunstraum Niederoesterreich in die Landessammlungen Niederösterreich einzugliedern. Das Archiv möchte in dieser Konzeption seine Archivalien in den Ausstellungsraum sowie in einen lebendigen Diskurs überführen und damit die Erforschung, Tradierung und Vermittlung von Performancekunst forcieren.

Der derzeitige Performance-Bestand im Kunstraum Niederoesterreich entwickelte sich aus der intensiven Auseinandersetzung mit Performancekunst seit über zehn Jahren und fokussiert auf junge zeitgenössische Positionen der Performancekunst. Neben hunderten Foto- und Videodokumentationsmaterialien von veranstalteten Performanceprojekten entstand eine umfängliche Sammlung an eingereichten Konzeptvorschlägen und Portfolios für den H13 Performancepreis, dem einzigen Preis für Performancekunst in Österreich, der seit 2007 jährlich vergeben wird. Die Kooperation mit dem Kunstraum Niederoesterreich wie auch den Landessammlungen Niederösterreich ermöglicht es Marlies Surtmann, in ihrer Forschung auf eine reiche Sammlung an Dokumentationsmaterialien zeitgenössischer Performancekunst zurückzugreifen und bietet so eine solide Basis für die Grundlagenforschung zur Archivierung dieser Kunstform. Unterstützt wird das Projekt durch das Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften an der Donau-Universität Krems und eine Dissertationsförderung des NFB-Science Call. Die Dissertation wird von Univ. Prof.Dr.  Elisabeth von Samsonow an der Akademie der bildenden Künste Wien betreut.

Kontakt: marlies.surtmann@kunstraum.net oder marlies.surtmann@donau-uni.ac.at

 

Bild: Performance Tabitha Dattinger und Astrid Sodomka 2015. 'Nähen'. Kunstraum Niederoesterreich. Foto: eSeL

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