Der Körper als Wissensspeicher

 

Workshop mit Bettina Kattinger und Marlies Surtmann

 

Performance findet statt und ist auch schon wieder vorbei. Sie lebt vom partizipativen Raum, der zwischen Performer_in und Publikum eröffnet wird. Dieser Moment kann durch unterschiedliche Dokumente und Übersetzungen in eine Ausstellung, aber auch in den Diskurs mit Menschen gebracht werden, die während der Performance nicht anwesend waren.

Wie aber kann dieser Moment, der sinnliche Eindruck, die physische Erfahrung, vermittelt werden? Ist es möglich durch eine körperlich nachgestellte Situation etwas über die ursprüngliche Aktion zu erfahren? Kann der Körper zum Träger der Überlieferung von Performancekunst werden?

Die Arbeit „Huddle“ von Simone Forti zum Beispiel wurde von der Sammlung des Museum of Modern Art New York gekauft. Neben gemeinsam mit Simone Forti erarbeiteten Instruktionen, Berichten, Video- und Fotodokumenten wird diese Arbeit einmal jährlich mit einer neuen Generation von Performer_innen trainiert. Tino Segals Performances dürfen weder auf Bild- noch auf Tonmedien aufgezeichnet werden. Die Dokumentation „lebt“ in den Performer_innen und Besucher_innen. Hier fungiert der Körper als Archiv.

Müssten nicht, um die Arbeit adäquat zu überliefern, die Vermittler_innen, Sammlungsverantwortlichen und Archivar_innen die Performances regelmäßig wiederholen, um sie nicht zu vergessen und sie schließlich auch weitergeben zu können? Und wäre nicht in weiterer Folge vor allem in der Performancekunst die Erfahrung über den eigenen Körper eine sehr passende Form der Vermittlung?

Der Workshop versucht verschiedene Aspekte von im Kunstraum gezeigten performativen Arbeiten – die nicht anwesend sind – nachfühlbar zu machen und so einen individuellen Zugang für die Teilnehmer_innen zu schaffen. Indem sie unterschiedliche Rollen einnehmen, entwickeln sie durch ihr Körpergefühl ein Verständnis für die Performances. Auf diese Weise sollen Werke aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfahrbar gemacht werden, sei es durch die Rolle der Besucher_in, der Kurator_in oder der Performer_innen selbst.

Die unterschiedlichen Erlebnisse bringen nicht nur formal die Arbeiten, die künstlerische Praxis sowie die unterschiedlichen Rollen näher, sondern werden im wahrsten Sinne einverleibt. Ziel ist, einen Diskurs über Performancekunst zu ermöglichen, aber auch das physische Erfahren als Methode in den Mittelpunkt der Vermittlung dieser flüchtigen Kunstform zu rücken.

Mein Besuch

0 Einträge Eintrag

Voraussichtliche Besuchszeit

Liste senden