Kunst Raum Niederösterreich

Performancereihe #5 04 05 2017 - 17 09 2017

  © Kambiz Shafei

Performancereihe # 5 des Kunstraum Niederoesterreich
Ausstellung, Performances, Workshops

Nach der Performancereihe   m e a n w h i l e … führt der Kunstraum im Jahr 2017 seinen Performance-Schwerpunkt mit drei weiteren Projekten fort: der Performanceabend und die Ausstellung Wie die sich wieder aufführen! von und mit Julischka Stengele und Maren Blume, der Performanceabend Rosa und Louise – präsentiert vom vieldiskutierten Frauennetzwerk Sorority – sowie das neu entwickelte Performatorium stehen auf dem Programm des Kunstraum Niederoesterreich.



Wie die sich wieder aufführen!
Julischka Stengele, Maren Blume

Performanceabend und Eröffnung:       DO 04 05 2017, 19.00 H
Dauer der Ausstellung:                          FR 05 05 – SA 13 05 2017

 

Julischka Stengele & Maren Blume stehen in ihrer Schau „Wie die sich wieder aufführen“ auf sehr unterschiedliche Weise für die Erlangung von Handlungsmacht ein – mit körperlichem Einsatz. Gemeinsam ist den beiden im queer-feministischen Feld agierenden Künstlerinnen, dass sie ihren/den Körper als Träger gelebter Erfahrung ins Spiel bringen, wenn es um Ausschluss oder Normierungen von Repräsentationen, Wissen und Wissensformen, Personen und nicht zuletzt von Körpern selbst geht. Ziel: Handlungsmacht!

 

Widerspenstig, unerhört, vorlaut! Julischka Stengele stellt ihren eigenen, mächtigen Körper ins Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. In der Performance „Musenaufstand“ bricht die Künstlerin mit Sehgewohnheiten und Sichtweisen. Sie hinterfragt gesellschaftliche Positionierungen und verändert Blickachsen, kehrt Machtverhältnisse um und inszeniert neue, ungewohnte Settings. Was bewirkt die Änderung von Positionen in Gesellschaft und Politik? Wie verortet sich der Mensch im sozialen Umfeld? Was macht ihn sichtbar oder unsichtbar? Sehen oder gesehen werden?

Julischka Stengele bringt in ihre künstlerischen Statements die volle physische Präsenz ihres Körpers ein. Stengele, die seit über zwölf Jahren als Aktmodell arbeitet, inszeniert ihren Körper als skulpturales Objekt. Die Bühne und das Podest geben ihr die Gelegenheit, eine Umkehrung der Machtverhältnisse zu provozieren. Zwar setzt sie ihren Körper den Blicken aus, aber das Publikum muss damit rechnen, dass sie zurückblickt und die gleichen Bewertungen und Maßstäbe anlegt wie es selbst. Sie verschiebt die Ebenen und vollzieht einen inneren Positionswechsel. Aus der stumm gemachten Muse wird ein selbstbestimmtes Individuum. Mit feinem Humor setzt sie konventionellen Sichtweisen und Sehgewohnheiten eigene Bilder entgegen: unangepasst, lustvoll und bestärkend.

Kuratorin Christiane Krejs überzeugte an Stengeles Arbeit, dass die Künstlerin Blickregimes und -hierarchien durchbricht und die stets brennende Frage „Was macht Kunst zur Kunst?“ aktualisiert.

Körper – Wissen – Macht: Maren Blume beschäftigt sich seit langem mit dieser in Wechselwirkung stehenden Trias. Über der Auseinandersetzung damit entwickelte sich das Interesse der Künstlerin am Körper als Archiv. Blume versteht ihn als Speicher von Informationen, Emotionen, Theorien oder Geschichten. In ihrer forschenden Praxis ist sie von der Theoretikerin Diana Taylor und ihrer Sicht des Körpers als „verkörpertes“ Wissen beeinflusst.

Blumes künstlerische Position ist für den Kunstraum ein spannender Denkansatz zum Thema (Performance-)Archiv. Sie thematisiert und erprobt die Un/Möglichkeiten der Dokumentation von Performance sowie die Weitergabe und Wiederholung von verkörperten kulturellen Wissens- und Erinnerungspraxen.

Maren Blume zeigt zur Ausstellungseröffnung den performativen Vortrag “But they don’t seem to go away”. Dabei stellt sie den handelnden, sprechenden, fühlenden und denkenden Körper als Agenten in den Mittelpunkt der Wissensproduktion. Ihre Performance bewegt sich im Spannungsfeld der Hierarchien zwischen akademischer Textproduktion, gelebter Erfahrung sowie Kunst und ihrer Vermittlung.

Kuratorin: Christiane Krejs
Im Rahmen der Performancereihe #5 des Kunstraum Niederoesterreich.



Performanceabend Sorority: femtrails X KRNOE:
Rosa und Louise – ein feministisches Manifest in dialogischer Form
Von Ariane Koch & Sarina Scheidegger
Performerinnen: Ana Castaño Almendral & Sima Djabar Zadegan
Performance, Drinks & Musik          FR 19 05 2017, 19.00 H

 

Ariane Koch und Sarina Scheidegger widmen sich in ihrer Performance Rosa und Louise – ein feministisches Manifest in dialogischer Form der vernetzten Welt des feministischen Diskurses. Seit 2014 wird der fortlaufend bearbeitete Text, jeweils der spezifischen Ausstellungssituation angepasst, in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich von zwei Performerinnen zur Aufführung gebracht und als Posterserie im öffentlichen Raum präsentiert.

Ariane Koch und Sarina Scheidegger produzieren das dialogische Manifest gemeinsam oder entkoppelt, non-linear und assoziativ; sie fordern mit dem Format des Manifests Öffentlichkeit ein, ohne in die Falle der autoritären, deklamatorischen Geste dieser Textform zu tappen. Rosa und Louise, egal ob es sich um Rosa Parks und Louise Bourgeois oder Rosa Musterfrau und Louise Normalverbraucherin handelt, stehen für die Vielstimmigkeit feministischer Praxen ein.

Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen dem Kunstraum Niederoesterreich und Sorority – Verein zur Vernetzung und Karriereförderung von Frauen statt und ist Teil der Kunst- und Kulturreihe femtrails. Im Anschluss an die Performance laden wir zu feministischen Zaubertränken.

Kuratorinnen: Katharina Brandl & Lena Lieselotte Schuster
Im Rahmen der Performancereihe #5 des Kunstraum Niederoesterreich.



Performatorium
Labor und Workshopreihe für eine zeitgenössische performative Praxis

DO 14 09 – SO 17 09 2017

Folgetermine: FR 20 10 2017, FR 01 12 2017

 

Von Speeddating bis Sprechtraining, von Übungen für den performativen Alltag bis zu antifaschistischem Ballett.

Wie wird Kunst produziert, wie entwickeln Künstler_innen ihre Ideen? Das Performatorium ist eine Workshopreihe für Performer_innen und zielt auf alle Ebenen der künstlerischen Produktion ab. Anstatt die „Produktion“ oder „Kreation“ hinter verschlossenen Türen zu halten, wird in dieser Workshopreihe Platz eingeräumt für Ephemeres, Flüchtiges und Prozesshaftes. Hier geht es darum, sich auszutauschen, zu teilen, voneinander zu lernen, und vielleicht gelingt die kollektive Produktion performativen Wissens. Die Performance-Szene wird im Performatorium als Community verstanden.

 

Informationen zu Programm und Workshopleiter_innen werden laufend aktualisiert. Anmeldung ab Anfang April unter office@kunstraum.net

Kuratorinnen: Olivia Jaques und Marlies Surtmann
Im Rahmen der Performancereihe #5 des Kunstraum Niederoesterreich.